In allen drei Tarifverträgen wird die Förderung der beruflichen Qualifikationen der Beschäftigten als Ziel aufgeführt. Das Projekt kommt dieser Zielsetzung auf mehreren Ebenen mit einem integrierten Angebot nach, um die Weiterbildungsbeteiligung zu erhöhen und das Lernen nachhaltiger zu gestalten. Im Rahmen des Projekts werden ausschließlich Angebote gemacht, welche die Kritische Akademie bisher noch nicht angeboten hat.

Zur Bedarfserhebung
Die Bedarfe werden in Absprache mit den Betriebsräten und den Personalverantwortlichen erhoben. Dabei soll auf bereits bestehende Erhebungen zurückgegriffen werden. Den Betrieben werden des weiteren Fragebogenverfahren, Interviewverfahren, Befragungen der innerbetrieblichen Experten und Workshops angeboten. Diese Verfahren werden gemeinsam mit den Betrieben (auch unternehmensübergreifend) entwickelt und dann allen Betrieben zur Verfügung gestellt.

Angebote für die Beschäftigten
In Abstimmung mit dem Betriebsrat und der Personalabteilung werden Veranstaltungen für die Beschäftigten angeboten. Diese werden nach Möglichkeit betriebsnah durchgeführt.

Integrierter Ansatz
Das Programm verfolgt einen integrierten Ansatz. Dies zeigt sich auch bei den Zielgruppen für die Bildungsangebote:

  1. Zum einen sind dies die Beschäftigten (insbes. bildungsferne Arbeitnehmer/-innen).
  2. Darüber hinaus wird auch die untere und mittlere Führungsebene mit gezielten Angeboten angesprochen.
  3. Spezielle Angebote gelten den Betriebsräten.
  4. Geplant sind auch Veranstaltungen, die sich gleichzeitig an Betriebsräte, Personalverantwortliche und Führungskräfte richten.

Das Programm leistet über das konkrete Angebot an die Beschäftigten hinaus einen Beitrag, die Strukturen und das Potential im Bereich der betrieblichen Fort- und Weiterbildung weiter zu entwickeln. Dies ist im Sinne einer nachhaltigen Weiterbildungsförderung. Dazu werden Bedarfe analysiert und Maßnahmen geplant.

Betriebsübergreifender Ansatz
Mit den teilnehmenden Betrieben des Projekts erarbeitet die Kritische Akademie einen Angebotskatalog mit möglichen allgemeinen Maßnahmen (Themenvorschlägen und Qualifizierungsangeboten). Dieser Maßnahmenkatalog steht allen teilnehmenden Betrieben offen. Aus diesem Angebot wählen die Betriebe für ihre Beschäftigten aus. Bei diesen Angeboten handelt es sich um zusätzliche Angebote, die bisher noch nicht angeboten werden.

Dabei wird versucht, bei den jeweiligen Veranstaltungen mehrere Betriebe zusammenzufassen, um möglichst vielen Betrieben zu ermöglichen, allgemein weiterbildende Maßnahmen für ihre Beschäftigten anzubieten. Durch die betriebsübergreifende Zusammenarbeit sollen auch die Beschäftigten kleinerer Betriebe von Maßnahmen profitieren, die speziell für die textilen Branchen entwickelt werden.

Themenfelder
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer:
Die Themen und Ansätze werden auf die Bedarfe der Arbeitnehmer/-innen abgestimmt. Während des Projekts wird der Angebotskatalog mit den teilnehmenden Betrieben weiterentwickelt und fortgeschrieben. Es fließen Erkenntnisse aus den fortlaufenden Bedarfserhebungen mit ein.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungen für die Beschäftigten stehen u.a. die Themenfelder „Sprache und interkulturelle Kompetenz“, „Informationstechnische Bildung“ und „Gesundheitsbildung“. Bei den Seminaren legen wird besonderen Wert darauf, dass wir über den themenspezifischen Zugang hinaus auch extrafunktionale Kompetenzen („Schlüsselqualifikationen“) fördern.

Im Themenfeld „Sprache und interkulturelle Kompetenz“ wird Wert darauf gelegt, Branchenspezifika in den Konzepten zu beachten. Besondere Bedeutung wird darauf gelegt, Referent/-innen zu qualifizieren, die in diesem Branchenbereich eingesetzt werden können. Die Inhalte und Methoden werden unternehmensübergreifend weiterentwickelt und ausgetauscht. Es werden auch Ansprachekonzepte erarbeitet, um gering qualifizierte zu motivieren, sich Sprachkompetenzen anzueignen und diese nachhaltig zu pflegen. Außerdem werden dazu auch entsprechende Lernformen erprobt.

Im Bereich Gesundheitsbildung soll eine Verschränkung von Arbeits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz mit gesundheitsförderlichem und gesundheitserhaltendem Verhalten erfolgen. Hier geht es darum verschiedene Angebote miteinander zu vernetzen und über die Betriebe die Zielgruppen zu erreichen.

Bei der „informationstechnischen Bildung“ legen wir Werte darauf, dass die Beschäftigten informationstechnische Innovationen nutzen können und dass die Beschäftigten anschlussfähig bleiben an aktuelle informationstechnische Entwicklungen. Als besondere Zielgruppen sollen hier gering qualifizierte und ältere Beschäftigte angesprochen werden. Gerade die informationstechnische Bildung eignet sich ganz besonders, um extrafunktionale Qualifikationen zu fördern. Dieser Ansatz wird in Veranstaltungen anderer Anbieter nicht aufgegriffen.

Als Beispiele können hier genannt werden: Word gepaart mit der Möglichkeit seine Kenntnisse und Fähigkeiten in Deutsch zu verbessern. Oder der Einstieg über Excel in betriebs- und volkswirtschaftliche Zusammenhänge. Oder das Konzipieren und Vortragen von Präsentationen ausgehend von Powerpoint.

Für Führungskräfte:
Bei den Führungskräften sind uns folgende Themen wichtig: „Alternsgerechtes Arbeiten und Qualifizieren“ und „Kompetentes Führen und Qualifizieren“. Diese Angebote sind komplementär und unterstützend sinnvoll zu den Bildungsangeboten für die Beschäftigten.

Bei den Veranstaltungen für die Führungskräfte werden Kompetenzen gefördert, die sowohl im eigenen Betrieb als auch in anderen Betrieben notwendig sind.

Für Betriebsräte:
Im Rahmen des Projekts wird auch eine „Weiterbildung zum/für Qualifizierungsbeauftragte des Betriebsrats“ angeboten. Im Zentrum steht hierbei die Stärkung arbeitnehmerorientierter Beratungsstrukturen im Betrieb, wie auch die Ermittlung von Bedarfen und die Weiterentwicklung betrieblicher Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für die Beschäftigten in den Betrieben.

Mit der Qualifizierung der Betriebsräte werden auch zusätzlich die Implementierung der obigen Programme in den Betrieben, sowie die Nachhaltigkeit in deren Wirkung sichergestellt.

Die Erfahrung in den Betrieben zeigt, dass die Betriebsräte eine wichtige Rolle in der betrieblichen Weiterbildung und Qualifizierung übernehmen können. Insbesondere ihr arbeitnehmerorientierter Zugang ist eine wichtige Bereicherung für die Förderung betrieblicher Qualifizierung.

Blended Learning:
Nachhaltigkeit und Vernetzung

Bei den genannten Veranstaltungen kommt eine Online-Lernplattform zum Einsatz. Wesentliches Moment in der Konzeption ist dabei das Verschränken von Online-Lernen mit Präsenzseminaren (Blended Learning). Dabei wird bereits in den Seminaren die Lernplattform genutzt (Eigenarbeit an Computern und/oder Präsentation der Plattform), um die Verschränkung mit der Online-Phase zu gewährlisten.

Modularisierung in Bausteinen
Die Seminare sind in Bausteinen angeordnet, die neben dem Einsatz der Lernplattform auch sehr stark auf Übungs- und Selbstlernphasen und den Transfer Wert legen.

Evaluation
Die Evaluation erfolgt mit Hilfe der Lernplattform. Es wird quantitativ und qualitativ die Wirkung der Maßnahme mit einer Befragung der Teilnehmer/-innen und Referent/-innen erhoben. Die Erhebung der Daten erfolgt vor, während und nach der Maßnahme. Die Erhebungsitems richten sich nach den oben genannten Projektzielen. Des weiteren wird die Motivation der Teilnehmer erhoben, die Weiterbildungskarriere der Teilnehmer, der Teilnahmekontext. Gezielt wird auch der Einsatz der Lernplattform untersucht. Die Ergebnisse der Evaluation werden unmittelbar rückgekoppelt an die Sozialpartner. In kumulierter Gesamtschau werden die Ergebnisse u.a. angereichert um Einzelinterviews. Die Auswertung und die Schlussfolgerungen werden dokumentiert und einem Fachpublikum vorgestellt.

Das Projekt gliedert sich in folgende Phasen

  1. Konzipierung
  2. Akquise fortlaufend
  3. Durchführung der Beratungen/Veranstaltungen
  4. Auswertung/ Präsentation und Dokumentation der Ergebnisse

Die Ansprache der Betriebe erfolgt über die Betriebsräte und Personalabteilungen bzw. über die entsprechenden Gremien der Sozialpartner.

Zur Aufgabe der Partner im Rahmen des Projekts
Auf der Ebene der Verbände wird das Konzept besprochen. Es werden die Betriebe angesprochen und es werden die Ergebnisse der Maßnahmen diskutiert. Bei der Akquise werden die Sozialpartner durch die Kritische Akademie unterstützt. An die Akquise knüpft die Beratung durch die Kritische Akademie an. Die IG Metall ist maßgeblich in die Konzeptionierung und bei der Ansprache der Betriebe beteiligt. Bei den Beratungsgesprächen wird versucht, möglichst häufig Vertreter der Arbeitgeberverbände und der IG Metall einzubinden.

Auf Unternehmensebene beraten die Sozialpartner mit Unterstützung eines Beraters der Kritischen Akademie. Hierbei wird der Bedarf festgestellt. Es werden Ziele und Maßnahmen festgelegt. Die Maßnahmen werden bei der Kritischen Akademie in Auftrag gegeben. Die Kritische Akademie konzipiert, stellt die Referent/-innen und veranstaltet die Maßnahme.

Die Kritische Akademie ist für die Evaluation zuständig. Sie erstattet den Sozialpartnern auf betrieblicher und verbandlicher Ebene Bericht. Sie plant mit den Sozialpartnern gemeinsam das Followup im Rahmen des Projekts und nach dem Projekt.

Die Arbeitnehmervertretung im Betrieb (Betriebsrat und/oder IG Metall) ist maßgeblich an der Ansprache und Motivierung von bildungsferneren Teilnehmern beteiligt. Sie unterstützt die Erhebung von Bedarfen maßgeblich.

Die Personalabteilung sorgt für die Anschlussfähigkeit der Maßnahmen im Kontext der betrieblichen Weiterbildung.

Bei den Zielgruppen handelt es sich nur um Betriebe und Beschäftigte, die unter die oben beschrieben Tarifverträge fallen.

Zur Durchführung der Veranstaltungen
Es handelt sich bei den Seminaren um klassische Seminare mit 1 bis 2 Referent/-innen. Es wird sowohl im Plenum als auch in Kleingruppen und in Einzelarbeit geschult.

Bei computerbezogenen Seminaren werden zudem Übungen am Computer im Seminar durchgeführt.

Eine Besonderheit ist das Online-Lernen mit der Lernplattform.

Zum Einsatz der Lernplattform
In allen Zusammenhängen wird die Lernplattform (eingerichtet auf Basis der Software Moodle) ergänzend zum Präsenzseminar (Blended Learning) eingesetzt. Sie wird dabei abgestimmt auf die Zielgruppe und auf die Lernziele. Die Lernplattform wird auch genutzt, um Befragungen für die Evaluation durchzuführen. Die Lernplattform wird bereits im Seminar eingeführt und genutzt. Damit wird sichergestellt, dass die Teilnehmer im Umgang mit der Lernplattform geübt sind. Die Lernplattform wird damit zum selbstverständlichen Handwerkszeug. Nach dem Seminar wird die Lernplattform von der Seminarleitung und den Teilnehmern in einer Online-Phase genutzt.

Die Materialien sind in „Kursräumen“ in der Lernplattform für die Teilnehmer hinterlegt. Die Veranstaltungen werden mit Hilfe dieser Kursräume dokumentiert. Dort finden die Teilnehmer Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen, ihre eigenen Ergebnisse und weiterführendes Material. Die Plattform ist so konzipiert, dass auch Lösungen gemeinsam von den Teilnehmern erarbeitet werden können. Mit Hilfe der Lernplattform stellt der Tutor (dieser ist in der Regel die Seminarleitung des Präsenzseminars) Aufgaben in einer Online-Phase und er kann Fragen der Teilnehmer beantworten. Die Teilnehmer arbeiten in den Kursräumen asynchron. Damit ist gewährleistet, dass der Teilnehmer die Lernzeiten mit der Plattform auch individuell in seinen Alltag einpassen kann.

Bei gering qualifizierten Beschäftigten wird mit Hilfe der Lernplattform das lebenslange Lernen mit Hilfe des Computers thematisiert.

In Beratungsprozessen wird die Lernplattform verwendet, um den Status zu dokumentieren und die Nachhaltigkeit sicher zu stellen.

Über die Lernplattform wird ein Austausch über Lerngruppen hinweg seminarübergreifend ermöglicht.

Die Lernplattform dient auch dem Austausch der Materialien der Referent/-innen untereinander und der Qualitätssicherung. Die Projektleitung hat Einblick in den Fortschritt des Seminars bzw. der Beratung.